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Mittlerweile hat die Öffentlichkeitsinitiative www.priester-im-bistum-mainz.de ihren einjährigen Geburtstag gefeiert. Rund 1500 Interessierte besuchen die Homepage jeden Monat. Dazu kommen viele Interessierte, die die Bildmotive in den Kirchen der Mainzer Diözese sehen.

Deshalb haben wir einen Falzflyer erstellt, der zehn Motive der vergangenen Monate zusammenfasst. Dazu haben wir eine Ausstellung produziert mit 12 Schautafeln, die als Roll-Up leicht auf- und abzubauen sind. Wenn Sie Interesse haben, diese Ausstellung in Ihrer Kirche, im Gemeindezentrum, im Jugendheim oder auch in der Schule aufzustellen, können Sie kostenlos die Schautafeln zusammen mit einer ausreichenden Zahl an Flyern erhalten. Das erste Mal wurde diese Ausstellung in Mainz bei der „Nacht der offenen Kirchen“ gezeigt. Sie hat eine gute Resonanz und interessierte Besucher gefunden.

Ich freue mich sehr, wenn das Anliegen der Initiative auch auf diese Weise von Ihnen unterstützt werden wird. Sie können auch unabhängig von der Ausstellung Falzflyer bei uns für Ihren Schriftenstand bestellen. Nutzen Sie dazu unser Kontaktformular.

PDF Falzflyer Einzelseiten 

PDF Falzflyer Seiten nebeneinander 

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Oft erlebt der Priester heute, „zwischen allen Stühlen zu sitzen“. Das ist unbequem und nicht immer notwendig. Bürstet man diese Erfahrung aber einmal gegen den Strich, kann man auf die Idee kommen, ob dieses „dazwischen“ nicht sogar der Ort Jesu selbst war. Und vielleicht will er den Priester heute genau dort sehen: dazwischen und mittendrin – zwischen Gott und Mensch, zwischen Welt und Kirche, zwischen Nahen und Fernen, zwischen Skeptikern und Überzeugten, zwischen den verschiedensten Kräften im Gottesvolk, zwischen geistlicher Sammlung und apostolischer Sendung, zwischen alten Erwartungen und neuen Hoffnungen. Klar, das ist nicht immer leicht, aber auch nicht nur Last. Im Gegenteil: Es ist der inspirierende Ort Jesu. Von hier aus nimmt das Evangelium seinen Weg. Nicht umsonst nennt man den Priester auch „Diener der Einheit“ und „Brückenbauer“. Dazwischen und mittendrin – für mich heute eine notwendige Weise und ein spannender Ort, um „amoris Christi velut vicarius“ (Ambrosius v. Mailand), also wie ein „Vikar der Liebe Christi“ zu wirken.

Dr. Udo Bentz, Regens des Priesterseminars, geweiht 1995

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Was Priestersein für mich heute ausmacht? Zwei Punkte vielleicht: Ich kann nur so Priester sein, wie ich glaube: in einer großen Freiheit, in der Gott nie einfach nur selbstverständlich war und in einer starken Führung durch das, was ich als katholisch prägend und geistlich berührend erlebte. Wenn Glaube so etwas ist wie eine Liebesgeschichte mit Gott, dann braucht sie diese Freiheit – und als Priester will ich Freiräume des Glaubens eröffnen. Zum anderen aber braucht Glaube die Verbindlichkeit, die mir von außen zugesprochen ist.

Und das ist der zweite Punkt: Glaube, der nicht einfach nur eine Wellness-Illusion ist, ist mir immer vorgegeben. Als Priester stehe ich für eine Glaubensgeschichte der Kirche, die mich einbindet in eine Ge- meinschaft mit vielen – und vor allen in eine Gemeinschaft mit Gott. Ich tue Dinge, die ich selbst gar nicht kann – und stehe so für die Möglichkeiten Gottes, die unsere menschlichen Möglichkeiten übersteigen. Freiheit und Verbindlichkeit – damit Gott einbrechen kann in unser Leben.

Pfarrer Kai Hüsemann, Darmstadt-Eberstadt, geweiht 2006

Pfarrer Stefan BartonStefan-Barton-19

Priester sein heute – das bedeutet immer noch und immer mehr solidarisch auf der Seite der Notleidenden, Kranken und von der Gesellschaft Benachteiligten zu stehen. In der Sorge um den Nächsten die Heiligung des Lebens der Gemeinde zu fördern und in der Verkündigung Jesu Christi auf die Lebenswelt der Menschen zu achten und zu helfen, ihr Leben im Licht des Evangeliums zu deuten. Konkret heißt das in Dietzenbach neben den klassischen Aufgaben der Katechese und der Verkündigung in vielen Initiativen wie der Dietzenbacher Tafel, dem Caritaskreis der Gemeinde, im Seniorenzentrum, in der offenen Jugendarbeit unseres Jugendcafés „Wolke 7“, der Kolpingsfamilie, der Kindertagesstätte als Familienzentrum da zu sein, einzustehen für die Botschaft von der Menschwerdung Gottes. Darüber hinaus in unserer Stadt und ihrer besonderen Situation auch den Dialog mit den anderen Religionen zu pflegen. Und so in all diesen Aufgaben die Gegenwart Gottes zu erinnern, wach zu halten und zum Grund unseres Handelns zu führen.

Pfarrer Stefan Barton, Dietzenbach, St. Martin, geweiht 1999

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Betrachte ich die Rolle und die Aufgaben des Priesters im Kontext der Gemeinde- pastoral, finde ich eine Fülle an unterschiedlichen Vorstellungen, die von außen in mich als Priester in einer Gemeinde hinein projiziert werden: der Dienstleister zu den Familienfeiern und Lebenswenden, der Zuhörer, an den man sich wenden kann, der Geistliche, der einen Kontakt zum Heiligen hat, der Kirchenfunktionär, der für vieles verantwortlich ist, der Liturge …

In all dem muss ich meine Identität als Priester ausfüllen – eine Identität, die im Letzten nicht in diesen vielen Zuschreibungen zu finden ist. Sie findet sich nur in der Verwurzelung in Christus, in der Verbindung mit ihm. Das ist jedoch keine speziell priesterliche Eigenart, sondern beschreibt konsequent gelebtes Christ-Sein allgemein.

Insofern ist Priester-Sein für mich heute ein konsequent und hingebungsvoll gelebtes Christ-Sein im Kontext von Weihe, kirchlichem Amt und vielen Erwartungen von außen.

Pfarrer Timo Haas, Pfarrgruppe Oppenheim, geweiht 2004

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Dem Seligen Papst Johannes Paul II. wird der Satz zugeschrieben: „Die Menschen können vom Priester nichts anderes erwarten als Jesus Christus.“ Damit will er wohl sagen, dass es hier um das Kerngeschäft des Priesters geht. Der Priester ist ohne Christus nicht denkbar, er ist eng an ihn rückgebunden.

Und was bedeutet das? Nun, daraus folgt, dass der Priester eben kein Alleinunterhalter ist, kein Entertainer, kein Manager, kein Sozialarbeiter und auch kein Psychotherapeut. Der Kern seines Lebens und Wirkens ist Christus und nicht eine altruistische Idee. Der Priester soll ein Kristallisationspunkt Christi sein. Der Ort/ die Person, an dem Christus zur Sprache kommt. Nicht unbedingt durch langatmige Monologe, sondern dadurch, dass er Menschen befähigt und ermutigt, selbst über Christus zu reden.

Kaplan Martin Sahm, Viernheim, Johannes XXIII., geweiht 2012

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Als wir am 23. Juni 2001 zu viert im Mainzer Dom die Priesterweihe empfingen, lag die Kardinalserhebung unseres Bischofs durch Papst Johannes Paul II. erst wenige Wochen zurück. Das ganze Bistum war weiterhin in Feierlaune, und der Anblick unseres Bischofs „in rot“ noch neu und ungewohnt. Wie in manchen Predigten aus diesen bewegten Tagen hat der Kardinal auch in seiner Ansprache bei unserer Weihe daran erinnert, dass das Entscheidende für alle Getauften bis hin zum Kardinal darin bestehe, im Evangelium ein alltagstaugliches Lebensprogramm zu sehen, das trägt und erfüllt. Diese Herausforderung verbinde alle in der Kirche, in

jedem Lebensstand, jedem Dienst und in jedem Beruf. In aller menschlichen Unzulänglichkeit dürfe man es so wagen, zu einem Weg ja zu sagen, den man noch nicht kenne; weil Gott schon vorher zu uns ja gesagt habe. Auch heute als Gemeindepfarrer fällt mir im mitunter bewegten Alltag dieser Gedanke aus unserem Weihegottesdienst immer wieder ein. Eine bessere Antwort auf die Frage, was Priester-Sein heute ausmacht, muss ich nicht suchen: möglichst uneitel, aber auch möglichst bewusst die Taufe zu leben.

Pfarrer Stefan Wanske, Friedberg, geweiht 2001

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Priester-Sein heute?

Sicherlich haben wir in der Vergangenheit große Veränderungen im Blick auf Kirche, Glaube, Christ-Sein und Priester-Sein erfahren und stehen wohl in Zukunft vor noch größeren Herausforderungen.

Es gilt der Zuspruch und der Auftrag des lebendigen Wortes Gottes „Ein Segen sollst du sein“.

Für mich bedeutet dies, die Nähe Gottes den Menschen zuzusprechen, in den Erfahrungen tiefer Freude und großen Glücks, aber auch und vor allem in den Sorgen und Nöten, den Enttäuschungen, der Krankheit, der Behinderung, den Lebensbrüchen, in Leid, Trauer und Sterben.

Gott ist ein Freund der Menschen, ein Liebhaber des Lebens, und er will für uns Menschen das Leben, ja sogar Leben in Fülle! So ist „Gott im Kommen“, ja er ist in Bewegung hin zu den Menschen, er drängt sich nicht auf, aber er lädt ein, sucht den Menschen, geht ihnen nach und geht mit in allen Höhen und Tiefen, in aller Freude und durch alles Leid! Davon möchte ich als Priester, als Gesandter und Freund von Jesus, Zeugnis geben.

Pfarrer Johannes Stauder, Darmstadt-Arheilgen, Heilig Geist, geweiht 1996

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„Die Botschaft ist froher als ihre Botschafter.“ Vor vielen Jahren sagte das TV-Moderator Thomas Gottschalk in Bezug auf die Verkünder des Evangeliums. Seit meinem Eintritt ins Priesterseminar am 3. Oktober 1983 – einen Tag nach der Bischofsweihe von Kardinal Lehmann – habe ich viele frohe Pfarrer und Bischöfe gesehen, die mit Lust und Engagement Seelsorge betreiben und Gottesdienst feiern. Das hat mich von Anfang an motiviert. Die frohe Botschaft braucht unsere helfenden Hände, funkelnde Augen und brennende Herzen. Das gilt für die Arbeit in der Gemeinde wie für die Arbeit in und mit den Medien.

Ja, es gibt auch Dinge in unserer Kirche, die mich nicht froh machen! Darüber dürfen wir nicht schweigen, sondern sollten – gerade unter Priestern – reden. Ansonsten macht sich Bedenkenträgertum breit! Jesus war kein Bedenkenträger. Er hat Grenzen überschritten und ist auf die Menschen zugegangen. Das gilt. Die frohe Botschaft Jesu braucht Mutmacher und keine Angsthasen.

Pfarrer Dietmar Heeg, Beauftragter der Bischofskonferenz für RTL und ProSiebenSat.1, geweiht 1990

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Im Laufe der Jahre meiner priesterlichen und pastoralen Tätigkeiten ist mir ein Aspekt meiner Priesterweihe immer bedeutsamer und wichtiger geworden: mein Bischof hat mich am 12. Juli 1997 zu einem Diözesan- oder „Welt“(!)priester geweiht. Was heißt das für mich?

Ich sehe meinen Platz als Priester an den „Hecken und Zäunen“ der Kirche. Meine Aufgabe ist es, dort Ausschau zu halten und mutig und ohne Angst und Vorurteile der Welt von heute entgegen zu gehen, mit offenem Visier gleichsam, um in ihr die Mitte zu entdecken.

„Gespräch“ oder „Dialog mit der Welt und den Menschen von heute“, das sind treffende Worte für mein Amt. Das Herzstück meiner Arbeit ist dabei der Dialog, den Gott selbst mit seiner Welt und den Menschen führt, in dieses beständige und vertraute Gespräch betend und denkend hinein zu hören, aktiv daran teilzunehmen, neue Worte zu finden für die alte Botschaft, aber auch sprachlos zu bleiben, wo es gilt, das göttliche Gespräch nicht zu zerreden, sondern schweigend weiterzusprechen.

„Weltpriester“, das heißt für mich nicht einfach ziel- und planlos in die Welt „hineinzustolpern“ (also nicht im schlechten Sinne „weltlich“ zu werden), sondern in die Mitte der Welt „hineingeweiht“ zu sein. Ich glaube fest, Gott selbst ist Schöpfer und ist in Jesus von Nazareth Mensch geworden. Überall – in mir und um mich herum – ist er deshalb immer und ganz zugegen! Er selbst ist für uns da und bei uns als die Mitte der Welt!

Trotz aller Verpflichtungen und Aufgaben, den immer stärkeren Belastungen, die mit der Organisation der Pastoral sowie mit der Unterstützung von Menschen in Not verbunden sind, möchte ich dieses eine Wesentliche nicht aus den Augen verlieren: Als Priester bin ich von und mit Christus gesendet und zwar in die Mitte der Welt, zu den Menschen von heute in der Welt von heute – und gerade dies ist mein Weg zu Gott.

Hochschulpfarrer Siegfried Karl, Gießen, geweiht 1997