Bringt mit eurem Tun … die Freude zu den Menschen

Dompfarrer Dr. Franz-Rudolf Weinert
Predigt zu Fuball-WM (gehalten am Dreifaltigkeitssonntag 2014) Pfarrei Dom St. Martin und St. Quintin, Mainz Juni 2014

Schwestern und Brüder!

Kann ich über die Fußball-WM predigen – habe ich mich gefragt. Nein, dachte ich mir, und Sie vielleicht auch; das passt doch nicht zusammen. Ja, dachte ich mir, und Sie vielleicht auch, denn Predigt und Leben sollen doch miteinander zu tun haben. Ich habe mir schließlich die Frage gestellt: Was würde Jesus tun? Ich glaube Jesus so verstanden zu haben, dass er dieses Weltereignis, die Fußball-WM, durchaus zum Anlass nehmen würde, uns Menschen Wichtiges zu sagen: in Bezug auf das Leben, in Bezug auf Gott.

Manchmal sind es auch die Fußballer selbst, die uns etwas mitteilen, eine „Steilvorlage des Glaubens“ geben. Vor Ostern z.B. gab es in der Sportschau folgende Szene: Nach seinem Tor riss sich ein Spieler das Trikot hoch, so dass man auf seinem T Shirt lesen konnte: Joh 3,16. Ich habe gleich nachgeschaut und die Vermutung wurde bestätigt. Es ist die Bibelstelle, die auch heute am Dreifaltigkeitssonntag evangelischen und katholischen Christen weltweit verkündet wird, in Mainz wie in Brasilien: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn für uns hingab. Auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben“. Das war die Osterbotschaft des Spielers und ist zugleich die Kurzfassung unseres Glaubens.

Es fällt mir auch der frühere Mainzer Trainer Jürgen Klopp ein. Als vor 10 Jahren Mainz in die erste Liga aufstieg, skandierten einige Spieler: „Jürgen Klopp Fußballgott.“ Der unterbrach wirsch und sagte: „Es gibt keinen Fußballgott, es gibt nur den dreifaltigen Gott! Was für ein Bekenntnis! Und auch das kennen wir: Viele Spieler bekreuzigen sich, wenn sie das Spielfeld, den Rasen betreten. Bei einem Tor deuten sie nach oben, um zu zeigen, wem sie das Tor verdanken.

Natürlich denken nicht alle so. Vielleicht ist manchmal auch so etwas wie Aberglaube mit dabei. Dann muss Gott auch mal für eine Fehlentscheidung herhalten; als Diego Maradonna ein Tor mit der Hand erzielt hatte, sagte er: „Das war nicht ich, das war die Hand Gottes.“

Zum Schmunzeln fand ich vor Jahren ein Plakat der Kirche im Bistum Essen; Auf dem stand: „An Gott kommt keiner vorbei“. Über Nacht hatte ein Sportsfreund darunter geschrieben: „Außer Stan Libuda“ – Libuda war früher ein Stürmer bei Schalke 04, der ungeheuer gut dribbeln konnte.

Bei all dem sollten wir auch nicht die viele Schattenseiten vergessen, die es beim Fußball auch gibt: Betrug; Spieler, die zu Unsummen verkauft werden; korrupte Manager; gewalttätige Fans; psychischer Druck, der den Torwart Robert Enke in den Selbstmord trieb.

Doch wenn Jesus heute leben würde: Wäre er nicht immer wieder einmal auch bei den Menschen, die sich an diesem Spiel so erfreuen können, bei den Spielern wie beiden Fans? Vielleicht würde er ihnen ein Gleichnis vom Fußball erzählen, so oder so ähnlich:

Als Jesus einmal in ein Fußballstadion kam, fragte er seine Jünger. Mit was kann man das Reich Gottes vergleichen? Ist es wie eine traumhafte Kombination bis zum gegnerischen Tor? Ist es ein schulbuchmäßiger Konter? Ist es wie ein unhaltbarer Freistoß in den Torwinkel? Oder wie die Glanzparade des Torhüters? Oder gar eine taktische Meisterleistung? Nein, nichts von alledem, antwortete Jesus. Das Reich Gottes ist wie die vollkommende Freude eines kleinen Kindes, das mit dem Fuß gegen einen Ball tritt und ihn so zum Rollen bringt und sich daran von ganzem Herzen freut. Schaut euch sein Gesicht an, wie es lacht und strahlt! Trachtet also nicht danach zu gewinnen oder andere zu besiegen, sondern bringt mit eurem Tun, Handeln und Reden die Freude zu den Menschen. Denn da wo die Menschen fröhlich sind und Freude im Herzen tragen, da beginnt schon da Reich Gottes. Selig ist, wer fröhlich ist und anderen Freude schenkt.“ (Norbert Baum)

Jesus würde vielleicht auch sagen: Ich freue mich, wenn ihr die Freude und die Begeisterung mit meinem und eurem Vater, mit meinem und eurem Gott in Verbindung bringt.

So wie manche ihren Ehering küssen, wenn sie ein Tor geschossen haben. In dem Moment höchster Freude wollen sie -über den Ring- mit ihrem Ehepartner verbunden sein. Oder die Südamerikaner, die nach ihrem Tor die „Wiege“ machen; symbolisch ein Kind schaukeln, weil sie vor kurzem Vater geworden sind.

All das ist eine Vorahnung, wie Gott ist: Liebe, Freude, Leben in Fülle. Jesus würde aber sicher auch sagen: Fußball ist eine der schönsten Sachen der Welt, aber nicht die Haupt-sache: das ist Gott. Wer an Gott glaubt, der wird, ja der ist Welt-meister, weil er die Welt meistert, sie erkennt in ihrer Schönheit und in ihrer Vorläufigkeit. Der kann auch verlieren, weil er Gott hat und mit Gott immer neu gewinnt, auch dazu gewinnt, an Glaube; Hoffnung und Liebe.

Wie der koreanische Spieler Bum Kun Cha, der von seinem Gegner (Wegmann) besonders übel gefoult wurde und später im Krankenhaus sagte: „Ich bin Christ und möchte nicht Böses mir Bösem vergelten. Ich habe ihm verziehen.“

Schwestern und Brüder,

Gott, das ist kein Flanken- und kein Fußballgott, das ist der dreifaltige Gott, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott Jesu Christi, der aus seiner Verborgenheit herausgetreten ist, der Mensch unter Menschen war, dem nichts fremd war und der eine Gemeinschaft gründet, die Kirche, die sich freut mit der Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Eine Kirche, die zugleich in diesem Fußballmonat die Menschen erinnert an die Not vieler Menschen im WM-Land Brasiliens außerhalb der Stadionbauten, aber auch an die Flüchtlinge in Syrien, an die Menschen , die ihr Land, ihr Hab und Gut genommen bekamen, oder das Leben wie die Arbeiter in Katar.

Ein gutes Fußballspiel ist etwas Schönes, doch es bleibt ein Spiel. Auch „König Fußball“ verweist über sich hinaus, ins Transzendente, in den Himmel, auf Gott hin. Und dazu passt dann noch die wahre Begebenheit, die Kardinal Volk erzählte, als er Professor in Münster war:

Ein Kind fragte ihn einmal: „Kann ich auch im Himmel Fußball spielen“? Der damalige Kaplan Volk überlegte und sagte: „Wenn du willst, kannst du im Himmel Fußball spielen, aber ich weiß nicht, ob du dort noch Fußball spielen willst. Der Junge war begeistert: „Ich will auf jeden Fall!“