Ronald Ashley Givens

Zur Person
Dr. Ronald Givens (49), Pfarrer in der Pfarrei Johannes XXIII. in Viernheim, Dekan des Dekanats Bergstraße West. An jedem Sonntag trifft er sich mit den Kindern zu einer kleinen Katechese. Dr. Givens sagt selbst: "Ich hab mich nicht leicht getan mit Kindern über den Glauben zu sprechen, ihnen von Christus zu erzählen. Ich hab einfach nicht die richtige Sprache gefunden. Dann habe ich ein Interview mit dem Jesuiten Friedhelm Mennekes gelesen, wie er sich mit Kindern unter den Altar gesetzt hat, um dort von Christus im Grab zu erzählen. Da war mir klar, dass ich jetzt von den Kindern lernen muss, Christus zu verstehen, aus ihrer Sicht, aus ihrer Welt. Bis heute bin ich glücklich, wenn sie mich verblüffen, herausfordern, wenn Christus mich sein Evangelium lehrt, übersetzt durch Kinder." 

Zu meiner Einführung als Pfarrer habe ich von meinen Freunden ein Gedicht geschenkt bekommen, das ich mit jedem Tag mehr als „mein“ Gedicht bezeichnen würde:

Übereinkunft   Ich habe Dich verstanden Du hast meine Worte befühlt. Nun lass uns deutlich bleiben.   Nichts abschleifen. Der Kontur Schärfe verleihen. Dem Atem Kraft. Dem Gedanken Genauigkeit. Auch vor der Exekutionswand des Todes.   Du bist anders. Bleib es. Kein Zugeständnis. Mein Gehör übersetzt dich.   Kein Entgegenkommen. Deine Grenze berührt mich. Stunde den Rest.   W. Schnurre

 

So habe ich meinen Weg als Priester bisher verstanden. „Vaterlos“ aufgewachsen, war mir die Kirche schon sehr früh ein Ort der Zuflucht, der Gemeinschaft und der Vorbilder. Die tägliche Eucharistiefeier gehört seit meiner Zeit als Messdiener fest zu meinem Leben. Sie ist bis heute der Ort, an dem ich ablade und aus dem ich schöpfe. Ich möchte sie nicht missen, auch wenn es Zeiten gab, da ich nur aus „Pflicht“ und aus „Gewohnheit“ mitgefeiert habe. Pflicht und Gewohnheit habe ich in dieser Zeit als etwas Tragendes und als etwas Positives erfahren. Ich habe die Eucharistie nicht gelassen und sie hat mich nicht gelassen, deshalb bin ich bis heute gerne mit den Menschen zusammen, die sich mit mir als Gemeinde um den Altar versammeln. Bevor ich in den Dienst der Diözese Mainz getreten bin, war ich Benediktiner in der Abtei Bad Wimpfen. Die Erinnerung an meine Mitbrüder und die Regeln des heiligen Benedikt trage ich mit mir und bin dankbar für diese Zeit, auch wenn der Bruch mit diesem Leben mir immer noch zu denken und zu beten gibt. Geweiht wurde ich 1991 durch Weihbischof Franziskus Eisenbach, dem ich nicht nur für diesen Dienst dankbar bin. Als Kaplan war ich mehr als gut aufgehoben in Worms bei Propst Prieß und seiner Schwester. Mit „Vertrauen und Miteinander“ würde ich diese Lehrjahre überschreiben. Für mich war und ist es ein Glücksfall, im damaligen Personalchef Prälat Giebelmann einen Vorgesetzten zu haben, der mich bis heute an Orte gesandt hat, die sich als gut und richtig erwiesen haben, obwohl ich nicht immer gleich wollte. All diese Menschen erwähne ich, weil bis heute Menschen mir geholfen haben zu ergründen, was Gott von mir wollen könnte und weil sie mir vertraut haben. Ohne meine Freunde, die ich an jedem Ort gefunden habe, wäre manches Schwierige und Unschöne nicht zu ertragen. Ich kann für mich sagen, dass ich mich getragen fühle von Gott und Menschen. Als ich geweiht wurde, dachte ich: „Jetzt bin ich Priester.“ Das war ein Irrtum. Ich bin erst durch die Menschen in meiner Pfarrei Priester geworden. Immer neu haben sie mich herausgefordert, korrigiert, geformt, mir Christus vor Augen geführt. Einer meiner Kapläne hat oft zu mir gesagt: „Die Pastoral ist korrupt.“ Das ist zutiefst wahr, sie korrumpiert zu Christus, der selten in meine Denkmuster, in meine Theologie, in meine Sicht hineingepasst hat. So war das auch mit den Kindern. Ich hab mich nicht leicht getan mit Kindern über den Glauben zu sprechen, ihnen von Christus zu erzählen. Ich hab einfach nicht die richtige Sprache gefunden. Dann habe ich ein Interview mit dem Jesuiten Friedhelm Mennekes gelesen, wie er sich mit Kindern unter den Altar gesetzt hat, um dort von Christus im Grab zu erzählen. Da war mir klar, dass ich jetzt von den Kindern lernen muss, Christus zu verstehen, aus ihrer Sicht, aus ihrer Welt. Bis heute bin ich glücklich, wenn sie mich verblüffen, herausfordern, wenn Christus mich sein Evangelium lehrt, übersetzt durch Kinder. Christus ist anders. Ich suche ihn bei den Menschen und bin dankbar, wenn ich wieder etwas von ihm entdeckt habe, was ich vorher nicht gewusst, nicht geahnt, nicht gedacht hatte. Diesen Schatz an Christuserkenntnis, den die Menschen mir immer wieder anvertrauen, den kann ich dann teilen, austeilen als Priester.

Pfarrer Dr. Ronald Ashley Givens, Viernheim

 

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