Spiritueller Impuls

Pfarrer Christoph Zell | Mainz-Finthen

Von Mensch zu Mensch

„Nun, da die Kirche eine tiefe missionarische Erneuerung vollziehen möchte, gibt es eine Form der Verkündigung, die uns allen als tägliche Pflicht zukommt. Es geht darum, das Evangelium zu den Menschen zu bringen, mit denen jeder zu tun hat, zu den Nächsten wie zu den Unbekannten. Es ist die informelle Verkündigung, die man in einem Gespräch verwirklichen kann … Jünger sein bedeutet, ständig bereit zu sein, den anderen die Liebe Jesu zu bringen, und das geschieht spontan an jedem beliebigen Ort, am Weg, auf dem Platz, bei der Arbeit, auf einer Straße.

Der erste Schritt dieser stets respektvollen und freundlichen Verkündigung besteht aus einem persönlichen Gespräch, in dem der andere Mensch sich ausdrückt und seine Freuden, seine Hoffnungen, die Sorgen um seine Lieben und viele Dinge, von denen sein Herz voll ist, mitteilt.“

Auszug aus: Papst Franziskus: Die Freude des Evangeliums, Nr. 127+128.

Pastoral ist keine Methode

„Jesus erfährt das Wachsen des Reiches Gottes nicht in einer heilen Gemeindewelt, sondern beschreibt es als universales Geschehen. Gott beginnt zu herrschen ‚alles in allem‘. Kirche dient als Werkzeug und Mittel, Gottes Herrschaft wie ein Licht oder wie der Sauerteig in die Welt hinein auszubreiten. Kirche will die Welt verändern, indem sie dem Reich Gottes zum Wachstum verhilft. Das kann aber nur gelingen, wenn es ihr nicht um das Eigeninteresse oder die kleine Gemeindewelt geht.

Für den kirchlichen Amtsträger stellt dieses Pastoralverständnis wichtige Anfragen an seine Praxis. Er kann helfen, Not zu wenden, wenn er wirkliches Interesse für die Menschen mitbringt, wenn er selbstlos in jederlei Hinsicht handelt, ohne Hintergedanken oder Profilierungssucht für sich selbst oder seine Kirche. Das ist mit der These gemeint, Pastoral sei keine Methode, um etwas zu erreichen.

Je weniger selbstbezüglich die Kirche lebt und handelt, desto mehr kann sie Sakrament und Werkzeug sein, dem Reich Gottes wachsen zu helfen. … Wenn Pastoral Beziehungsgeschehen und keine Methode ist, muss es zu Begegnungen und Beziehungen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Milieus kommen.“

Auszug aus: Peter Kohlgraf: Nur eine dienende Kirche dient der Welt. Yves Congars Beitrag für eine glaubwürdige Kirche. Ostfildern: Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG 2015, 111f.