Spiritueller Impuls

Pfarrer Michael Bartmann | Mainz-Hechtsheim

 

Einander trauen

 Ein anderer Begriff für die Hochzeit heiß „Trauung“. Zwei Menschen trauen einander und vertrauen sich einander an. Sie setzen ihre Lebenskarte auf diesen einen Menschen: Du – und nur Du – und das für immer! Christen sprechen hier von der Einheit und Unauflöslichkeit der Ehe, von der ehelichen Treue.

In der Geschichte vom kleinen Prinzen sagt der Fuchs zum Prinzen: „Man ist zeitlebens für das verantwortlich, was man sich vertraut gemacht hat.“

Ganz nüchtern betrachtet, ist es – menschlich gesehen – unmöglich, ein so umfassendes Versprechen zu geben und eine solche Verantwortung füreinander zu übernehmen. Wer kann schon garantieren, dass die Gefühle füreinander in zehn Jahren genauso aussehen wie heute?

Christliche Ehepartner können dieses umfassende Ja-Wort nur sprechen, weil sie daran glauben, dass ihnen eine innere Kraft von Gott im Sakrament der Ehe geschenkt wird. Sie glauben, dass Gott verlässlich und treu ist. Sie rechnen fest damit, dass Gott ihnen von seiner Treueenergie schenkt – wenn sie vor am Traualtar stehen und an jedem Tag ihres Lebens.

Treue bedeutet darum: sich immer wieder erinnern an das Ja-Wort des Hochzeitstages – und zugleich fest auf Gottes Treue-Zusage vertrauen.

(Hubertus Brantzen, aus: Der Liebe ein Zuhause geben.
Hinführung zur Hochzeit für Brautpaare, Herder-Verlag 2105, 34.)

Komm und sieh

ein blick
und du gehörst
nicht mehr dir selber

von nun an empfängst du dich
aus angeschaut werden
augenblick um augenblick

das herz an ihn geschmiegt
lockt der staub der strasse
mehr als das dach über dem kopf

denn in seinen spuren
reichen deine schritte
über jeden gesichtskreis hinaus

und brennender als feuer
wirst du
in seiner nähe

Andreas Knapp

(aus: Brennender als Feuer. Geistliche Gedichte von Andreas KnappWürzburg: Echter-Verlag 2007, 10)