Stefan Wanske

Weitersagen!

Seit ich vor 14 Jahren zum Diakon und im Jahr darauf zum Priester geweiht wurde, bin ich davon überzeugt, dass das Predigen zu meinen faszinierendsten Aufgaben gehört. Anderen weiterzugeben, was mich selbst im Leben trägt: das war ein wichtiges Motiv bei meiner Berufswahl.

Noch immer sehe ich das so: Von Gott zu erzählen ist spannend, herausfordernd und lohnend. – Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über: Das gilt gewiss für  jeden, der glaubt, für alle Getauften und Gefirmten – in welcher Lebenssituation und in welchem Beruf auch immer.

Zu den Besonderheiten des Priesterberufs gehört es, dass er eine Menge ausdrücklicher Gelegenheiten bietet, von Gott zu sprechen: Im Kindergarten, in der Schule, in Gruppen und Kreisen einer Gemeinde, in der Jugendarbeit, in Begegnungen „zwischen Tür und Angel“, im seelsorglichen Gespräch und schließlich auch in Gottesdienst und Predigt.

Natürlich ist das Weitertragen all dessen, was sich in meinem Leben und auf meinem Glaubensweg als wesentlich und tragend erwiesen hat, keine Einbahnstraße. Es lebt davon, dass andere auch mir von ihrer Geschichte mit Gott erzählen und mit mir darüber sprechen, was sie gerade beschäftigt oder was sie freut.

„Der Glaube kommt vom Hören“, so formuliert es ein Sprichwort in Anlehnung an eine Bibelstelle im neutestamentlichen Römerbrief (Röm 10,17). Mit Blick auf meine eigene Lebensgeschichte fallen mit eine Menge Gelegenheiten ein, bei denen ich ganz gespannt zugehört habe:

Als Kind konnte ich zum Beispiel meiner Urgroßmutter stundenlang zuhören, wenn sie „von früher“ sprach und erzählte, was es in ihrer Kindheit alles noch nicht gab. (Sie war 1901 geboren.) Wenn sie mich zum Friedhof mitnahm und die Gräber „ihrer“ Verstorbenen besuchte, dann erfuhr ich noch mehr Geschichten aus der Zeit, bevor es mich selbst gab. Die Großeltern haben mir dann beispielsweise in ihrer Pfarrkirche alles Mögliche an Gegenständen, Bildern und Figuren gezeigt. Dabei haben sie viel von Jesus erzählt und mich zum Gottesdienst mitgenommen. Es tut mir gut darüber nachzudenken, wer die vielen Menschen konkret gewesen sind, die mir vom Glauben erzählt haben: Eltern, Verwandte, Lehrer, Priester, Freunde…

Die kirchliche Medienarbeit bietet noch einmal eine besondere Chance, vom Glauben zu erzählen: auch über Hörfunk, Fernsehen und Internet. Ich finde den Gedanken spannend, Menschen an vielen Orten per Radio, mitten in deren Alltag ansprechen zu können: am Frühstückstisch, im Auto, bei der Arbeit. Wahrscheinlich ist es für viele überraschend, wenn dann auf einmal von Gott Thema wird.

Der Glaube kommt vom Hören: Bis heute funktioniert die Weitergabe des Glaubens nach diesem Prinzip. Jesus selbst war ein begnadeter Erzähler. Die Bilder und Geschichten mitten aus dem Alltag ganz normaler Leute, die er mit seinen Worten gemalt hat, handeln von Gottes Liebe und Gottes Nähe zu uns Menschen, – und sie begeistern bis heute. Das Interessante dabei ist, dass die, die ihm zugehört haben, irgendwann die Rolle gewechselt haben: aus Hörenden, die sich haben begeistern lassen, wurden Erzählerinnen und Erzähler.

Und wenn die Botschaft Jesu auch zur Mitte Ihres Lebens gehört: Sagen Sie’s weiter und erzählen Sie davon.

Pfarrer Stefan Wanske, 39 Jahre, Friedberg

 

Top

Schreiben Sie mir!

Ihr Name (nötig)

Ihre E-Mail-Adresse (nötig)

Betreff (nötig)

Ihre Nachricht (nötig)

Die Lösung hilft Spam zu vermeiden (nötig)
[quiz* quiz-458 "1+7=?|8"]

 

Top