Tobias Geeb

Ein Programm

Vor einem Jahr war die Welt gespannt auf den neuen Papst „vom anderen Ende der Welt“.

Papst Franziskus hat in den vergangenen Monaten seine Schwerpunkte gesetzt: Die Liebe zu den Armen und die Barmherzigkeit Gottes. Ich erinnere mich, wie ein Satz aus einer seiner ersten Ansprachen mich tief berührt hat, in dem er über die Barmherzigkeit sagte: „Gott wird nicht müde zu vergeben. Aber wir Menschen werden müde, Gott um Vergebung zu bitten.“

Eine Erfahrung

Mich prägt eine Erfahrung aus meiner Kindheit: dass ich einmal von der Grundschule nach Hause gelaufen kam, nachdem ich vor meinem Klassenlehrer über eine Unterschrift meiner Eltern gelogen hatte. Dieser Lehrer hatte meine Mutter telefonisch darüber informiert. Er entließ mich mit dem Satz: „Na, zu Hause wirst du was erleben!“ Ich lief, dort angekommen, mehrmals um das Haus. Meine Mutter bemerkte das irgendwann drinnen durch ein Fenster. Sie öffnete die Tür. Mit einer Umarmung, die ich so tatsächlich nicht erwartet hatte, sagte sie mir: „Du kannst immer zu mir kommen. Über Probleme können wir doch reden!“

Vielleicht hat diese Erfahrung mich viel Vertrauen in das Sakrament der Versöhnung fassen lassen. Über mehrere Jahre noch war die Beichte eine Pflichtübung zu Ostern und Weihnachten. Ausgerechnet im Jugendalter wurde sie für mich ein Geschenk. Warum? Ich durfte immer wieder erfahren, dass eine Tür aufgeht. Dort konnte ich über Probleme reden. Ich habe dabei erfahren: Du bist von Gott geliebt mit und trotz allem. Vor allem hörte ich den Satz: Es ist wieder gut.

Warum ich Priester bin?

Die Erfahrung, als Jugendlicher in der Beichte meine Sünden los zu werden, hat mich stark geprägt. Ich bin dankbar, dass auch ein Priester da war, der mir zugehört hat. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich nicht perfekt vor Gott sein muss. Er spürte die Ermutigung, über mich selbst sagen zu dürfen: Ich bin ein Sünder. Erst der Mut, über sich selbst sagen zu können „So bin ich!“, bringt mich in die rechte Beziehung zu Gott. Er sagt nämlich durch Christus zu mir: „Und ich bin dein Erlöser!“ Nicht zuletzt deshalb, nämlich die Umarmung durch Gottes Barmherzigkeit zu erfahren, kann ich sagen: Ich bin mit Freude Priester. Ich will weitergeben, was ich selbst empfange.

Ein neuer Anfang

Nur wenige nehmen heute das Sakrament der Versöhnung wahr. Ich weiß, dass viele nicht so gute Erfahrungen in ihrer Kindheit und Jugend damit gemacht haben. Deshalb ist es auch eine Hürde, heute beichten zu gehen. Andererseits aber sind wir auch, wie Papst Franziskus sagt, einfach müde geworden, Gott um Vergebung zu bitten. In anderen Bereichen geben wir gewöhnlich nicht so schnell auf und versuchen es noch einmal.

Es zeichnen sich heute aber auch Veränderungen ab. Menschen erleben durch die Erfahrung der Vergebung im Sakrament der Versöhnung eine große Freude in ihrem Leben. Ich denke an die Erfahrung bei den Weltjugendtagen, bei Nightfever-Abenden, an Wallfahrtsorten. Es gibt auch mehr und mehr Menschen, die regelmäßig zur Geistlichen Begleitung kommen und ein solches Gespräch mit der Beichte verbinden. Da spürt man, dass das Sakrament der Versöhnung die Beziehung zu Gott weckt, ja sie lebendig macht. Es ist wie bei Freundschaft unter Menschen: Beziehung lebt wesentlich vom Verzeihen. Jede Beziehung wird inniger und festigt sich, wenn darin Barmherzigkeit erfahren und Vergebung ermöglicht wird.

Pfarrer Tobias Geeb, 37 Jahre, Egelsbach

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